Donnerstag, 25. Juni 2020:
Was lange währt, wird endlich gut

"Wer eine Maske unangenehm findet, wird ein Beatmungsgerät hassen."
Diesen Satz haben ich gestern bei Instagram gelesen und musste sofort schmunzeln. Gepostet wurde er von dem Kanal "schwarzer.kaffee", der für seine humorvollen und meist sarkastischen Sprüche bekannt ist. "Wahre Worte" dachte ich mir, nachdem ich den Spruch gelesen habe: Wer nicht Acht gibt, läuft Gefahr sich und andere in eine solche Situation zu bringen. Bei einem bislang noch nicht genau bekannten Prozentsatz der Menschen führt die Krankheit Covid-19 zu sehr starken Atemwegsbeschwerden, hin zu einem dauerhaften Gefühl daran ersticken zu müssen. Die effektivste Behandlungsmethode sind bislang Beatmungsgeräte, die über einen Schlauch die Lunge und den Blutkreislauf künstliche mit Sauerstoff versorgen. Sicher kein schönes Gefühl.

Davon kann auch die Irin Mary Sullivan ein Lied von singen: Ganze 79 Tage war sie wegen ihrer Covid-19-Erkrankung an ein solches Beatmungsgerät angeschlossen.
Unter lauten Jubelrufen und "standing Ovations" durch Pfleger und Ärzte, wurde Mrs. Sullivan aus dem Bon Secours Hospital in Cork (Irland) entlassen. Ihre Covid-19-Erkrankung hat sie nun überstanden. Na, wenn das mal kein Grund zur Freude ist!

©tagesschau.de

Das Video von Mrs. Sullivans Entlassung hat mich tief bewegt und sehr gefreut! Leider sehe ich im Alltag immer weniger Menschen mit Mund-Nasen-Masken. Zunehmende Lockerungen überall auf der Welt, lassen darauf schließen, dass wir das Schlimmste nun hinter uns haben. So schön die Lockerungen und die allmähliche Rückkehr zu unserem gewohnten Alltag auch ist (!), so sehr wächst aber zugleich leider auch die Wahrscheinlichkeit einer 2. Corona-Welle zum Opfer zu fallen. Hoffen und beten wir, dass wir davon verschont bleiben und vielen Menschen eine Tortur wie der von Mrs. Sullivan erspart bleibt. Bis dahin versuche ich *mit guten Vorbild* voran zu gehen und nach wie vor meinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, wenn ich unter Menschen bin :-)

Mittwoch, 24. Juni 2020:
Man wird ja wohl noch träumen dürfen

 

Am Samstag habe ich darüber geschrieben, wie Neuseeland die 4-Tage Arbeitswoche plant, gestern las ich einen Artikel, in dem darüber philosophiert wird, wie weniger Arbeitstage nicht nur dem hiesigen Tourismus und der Wirtschaft, sondern vor allem auch langfristig der Umwelt zu gute kommt. An dieser Stelle möchte ich bei allen Leserinnen und Lesern um Entschuldigung bitten: Ich werde jetzt wieder einen Impuls über Umwelt- und Klimaschutz schreiben... Eigentlich gehöre ich noch nicht zur Fridays-For-Future Generation, aber der Klimawandel berührt mich so sehr, dass ich nicht einfach aufhören möchte darüber zu schreiben. Aber keine Sorge, ich werde auch ein wenig Wirtschaftsanalyse betreiben ;-)

Jedenfalls beruht der Kern meines heutigen Impulses auf dem Gedankenexperiment von Philipp Frey, einem Doktoranden am Karlsruher Institut für Technologie. Er hat beobachtet, dass wir Europäer am Wochenende erheblich weniger CO² in die Atmosphäre entlassen, als unter der Woche. Das gleiche gilt für viele Firmen und Fabriken. Sein Vorschlag, um den Klimawandel zu begegnen: *Die Einführung einer 9-Stunden Arbeitswoche*; also rund 30 Stunden weniger Arbeitsstunden als aktuell üblich.
"Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass Arbeitnehmer, die wenig Zeit haben, das Auto nutzen, statt öffentliche Verkehrsmittel. Sie kaufen energieintensivere Produkte, die Zeit sparen, essen Fertiggerichte, 'bevorzugen extravagante Ausgaben und nicht nachhaltige Lebensstile', so eine Studie."
Hier geht's zum ganzen Artikel auf Focus Online

Vielleicht muss es ja nicht gleich so radikal sein: Angenommen wir würden beim 8-Stunden-Arbeitstag bleiben und eine 4-Tage-Arbeitswoche einführen, würde sich das schon sehr positiv auf uns, unsere Freizeitgestaltung, Familienplanung, Ökobilanz, unser Konsumverhalten usw. auswirken. Allerdings würde damit natürlich die Wirtschaftsleistung sinken und dementsprechend auch das Bruttoinlandsprodukt. Wenn man jetzt aber bedenkt, dass 1% der reichsten Menschen in Deutschland rund 30% des Gesamtvermögens besitzen, ist das wohl einfach eine Frage der gerechten Verteilung: Warum sollte ein Dachdecker am Ende eines 8-Stunden-Arbeitstages bei Wind und Wetter weniger Geld verdient haben, als ein Top-Manager, der den ganzen Tag in seinem trockenen, klimatisierten Büro am Computer/ Telefon saß? Der eine hat nach der Schule eine IHK-Laufbahn mit Meisterprüfung absolviert, der andere das Abitur mit anschließendem BWL-Studium. Der eine verdient rund 35.000,- Euro brutto im Jahr, der andere bis zu 230.000 Euro. Schon verrückt, wie ein 3-6 Jahre längerer Bildungsweg einen derartigen Vermögensunterschied rechtfertigen kann. Würde man nach der tatsächlichen geleisteten Arbeit bezahlt werden, wäre vermutlich für 80-90% der Deutschen eine 4-Tage-Arbeitswoche möglich, ohne nennenswerte Einkommenseinbußen. Das aber sieht ein kapitalistisches System, wie das Unsrige, leider nicht vor. Also bleibt uns erst einmal nichts anderes übrig, als einfach weiter von einer besseren und gerechteren Welt zu träumen :-) ...zumindest solange, bis unsere Gesellschaft von einer Pandemie, einer globalen Finanzkrise oder zahlreichen Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels geweckt werden...

Quellen zur Vermögensverteilung und Einkommen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland#Anteil_der_Top_1_%_am_Volksverm%C3%B6gen
https://www.merkur.de/leben/karriere/gehalt-handwerkern-viel-verdienen-maurer-dachdecker-zr-12236927.html
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/neues-gehaltssystem-volkswagen-manager-bekommen-hoeheres-fixgehalt/25369144.html?ticket=ST-1747212-MiIWtb4MjgptfPs6bhD9-ap4

Dienstag, 23. Juni 2020:
Wenn Provokationen Leben retten

 

Das Verhältnis von Nord- und Südkorea ist seit 1953 sehr angespannt. Und das ist noch nett formuliert, denn obwohl der sogenannte Koreakrieg 1953 mit der Teilung der koreanischen Halbinsel in einen kommunistischen Nordteil und einem kapitalistischen Südteil ein vorläufiges Ende gefunden hat, wurde niemals ein Friedensvertrag ausgehandelt. Das heißt, offiziell befinden sich Nord- und Südkorea seit 70 Jahren im Krieg. Die beiden verfeindeten Länder werden durch eine 248km lange und ca. 4km breite demilitarisierten Zone mit sehr starken Grenzbefestigungen voneinander getrennt. Die Auseinandersetzung der beiden Länder ist geprägt durch ein Wechsel von Annäherung und Spaltung. Nach einer kurzen Phase der Annäherung, bei der sogar ein gemeinsamer Wirtschaftsstandort gegründet wurde, gibt es jetzt wieder eine Phase großer Spaltung. Zuletzt hatte Nordkorea ein gemeinsames "Verbindungsbüro" in die Luft gesprengt. Auslöser für die Eskalation ist, nach nordkoreanischen Angaben, die zunehmende Provokation durch Südkorea. Gemeint sind Aktionen wie beispielsweise zu Weihnachten, wo große, stark beleuchtete Weihnachtsbäume und Lautsprechertürme an der Grenze aufgestellt wurden, um einen einseitigen Kulturtransfer zu erzwingen oder Militärmanöver, die mit der US-Marine vor der Nordkoreanischen Küste abgehalten wurden.

Neben diesen offensichtlichen Provokationen stört sich die nordkoreanische Regierung aber auch an wohltätigen Aktionen, wie der jüngsten Aktion einiger südkoreanischer Aktivisten: Sie füllen zahlreiche leere Plastikflaschen mit *Reis, Medikamenten und Mund-Nasen-Schutzmasken* und werfen diese in einen nahegelegenen Grenzfluss, wo sie dann auf nordkoreanischer Seite von der hiesigen Bevölkerung herausgefischt werden können. Die medizinische Versorgung in Nordkorea ist desaströs, auch an den nötigsten Lebensmitteln mangelt es vielen Bewohnern. Mit der Aktion versprechen sich die Aktivisten kurzfristig Linderung des Leides und setzen damit langfristig auf einen wachsenden Widerstand innerhalb der nordkoreanischen Bevölkerung gegen das autokratische Regime in Pjöngjang.

Obwohl wohltätige Aktionen wie diese nicht dabei helfen die politische Spannung der beiden Länder zu entschärfen und letztlich auch nicht in der Lage sind das Leid der Bevölkerung langfristig zu verbessern, so finde ich sie dennoch besser, als die offensichtliche Zurschaustellung des eigenen Wohlstandes, wie es zu Weihnachten oft der Fall gewesen ist. Der Reis und die Medikamente helfen den Menschen vor Ort, direkt und unmittelbar. Das ist gut! Auch wenn es an der schlechten Gesamtsituation der Menschen dort nicht viel ändert, ist es ein wichtiges Zeichen der Solidarität das Hoffnung macht. Auch ein bisschen Antibiotika kann Wunder bewirken, wenn ein Mensch in einem nordkoreanischen Dorf mit einer starken Infektion zu kämpfen hat und praktisch keine medizinische Versorgung in Reichweite ist. Jedes Leben ist schützens- und unterstützenswert, sei es auch noch so klein und unbedeutend für das politische Gesamtgefüge. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern." :-)

Montag, 22. Juni 2020:
Sport am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

 

Als der Mensch noch wie selbstverständlich regelmäßig Tiere jagen und Früchte sammeln musste, war Sport kein Thema. Die Arbeit an sich genügte schon um fit zu bleiben und wer nicht fit genug war, musste sich entweder von anderen versorgen lassen oder sterben. An diesem Grundgesetz des Lebens hat sich bis heute nichts geändert. Was sich allerdings geändert hat, sind die Rahmenbedingungen unter denen wir miteinander leben. Es gibt klare Aufgabenverteilungen, die es uns erlaubt auch jene zu versorgen, die nicht (mehr) 100% ihrer Leistung beitragen können. Verstärkt durch die zunehmende Automatisierung wird der Tagesablauf vieler Menschen hauptsächlich im Sitzen bestritten: Frühstück -> Auto -> Büro -> Mittagespause -> Toilette -> Auto -> Abendessen -> Bett. Vielleicht geht man nach Feierabend noch eine Runde spazieren, aber dann war es das häufig schon. Für den menschlichen Körper gibt es nichts Schlimmeres.

Mittlerweile weiß man, dass neben dem Geist, den Gelenken und dem Gewicht, auch das körpereigene Immunsystem von regelmäßiger Bewegung profitiert. Vor allem in Corona-Zeiten wird in asiatischen Ländern jetzt verstärkt darauf geachtet, dass Menschen regelmäßig an Sportübungen teilnehmen. So auch eine Polizeistaffel in bangladeschs Hauptstadt Dhaka, wie auf dem Foto zu sehen ist.
In Ost-Asien gehören morgendliche Sportübungen wie diese bei vielen Firmen schon seit langem zum Pflichtprogramm vorm Arbeitsbeginn. Wer dabei aus der Reihe tanzt oder fehlt, fällt direkt negativ bei Kolleg*innen und Vorgesetzten auf. Der kollektive Gruppenzwang, wie man ihn auch in anderen Bereichen des Alltags in asiatischen Ländern kennt, sorgt dafür, dass alle mitmachen. Wie selbstverständlich sieht man daher in den großen Städten Chinas, Japans und Co. jeden Morgen Menschen auf Plätzen oder Hochhausdächern, die vor der Arbeit Yoga-Übungen o.Ä. machen.

Trotz aller Kritik an dem kulturellen Gruppenzwang, kann ich mir schon vorstellen, dass sich das positiv für die Mitarbeiter*innen auf Körper und Geist auswirkt: Weniger Rückenschmerzen und bessere Konzentrationsfähigkeit.
So etwas würde mir persönlich auch gut tun! Das Schwierige ist nur, sich jeden Morgen dazu zu motivieren. Ich bin schon froh, dass ich Zug fahre und darum gezwungen bin mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu fahren, aber seit Corona hat das ziemlich nachgelassen. Dabei wäre ja gerade jetzt regelmäßige Bewegung wichtig. Ach, wenn doch dieser innere Schweinehund nicht wäre. Ein bisschen kollektiver Gruppenzwang würde mir -zumindest in diesem Bereich- echt gut tun :-)

Sonntag, 21. Juni 2020:
...und der Wind Gottes schwebte über dem Wasser

Mit diesem Halbsatz in der Überschrift beginnt das erste Kapitel der Bibel. Was oft mit Geist Gottes übersetzt wird, ist im hebräischen Urtext gleichbedeutend mit Atem, Hauch oder Wind. Wind, Wasser und Sonne sind die Hauptenergiequellen für erneuerbare Energien und Grundvoraussetzungen für Leben aller Art.
2019 wurden 42,9% des in Deutschland produzierten Stroms aus Sonnen- oder Windkraft gewonnen; das lag vor allem an den vielen sonnigen Tagen und den zahlreichen Stürmen im letzten Jahr. Aber dennoch kann man erkennen welche Bedeutung erneuerbare Energiequellen für die Stromversorgung der Zukunft haben werden; zumal sie weder radioaktiven Müll, noch unnötiges CO² produzieren. Doch wie alles, haben auch diese Arten der Energieerzeugung ihre Tücken: Für Wasserkraftwerke braucht man Staudämme, Gezeitenkraftwerke kann es nur an Küsten mit Ebbe und Flut geben, Geothermiekraftwerke sind nur an wenigen Orten dieser Welt sinnvoll für die Stromerzeugung einsetzbar, Photovoltaikanlagen brauchen sehr viel Fläche und Windkraftanlagen stehen in der Kritik Vögel zu gefährden und lästige Schatten zu werfen.

Wie alles, ist nichts wirklich perfekt. Wie in jeder Branche, wird auch im Bereich der erneuerbaren Energien immer weiter geforscht: Vor allem im Bereich der Windkraftanlagen, die es ja mittlerweile auch schon seit vielen Jahren gibt, tut sich einiges: Neben den klassischen Anlagen mit drei Flügelblättern, die um eine horizontale Achse kreisen, gibt es mittlerweile Anlagen mit vertikalen Flügeln, die um eine vertikale Achse kreisen. Sie sollen im Unterschied zu ihren großen Brüdern vor allem weniger Schatten werfen und ruhiger laufen und trotzdem Leistung im Megawattbereich erreichen können. "Für die gesellschaftliche Akzeptanz ist das gut", sagt Torsten Faber, Professor am Fachbereich Energie und Biotechnologie der Hochschule Flensburg.
Gerade die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz ist ein Problem beim Bau von Windkraftanlagen.

Nur 276 neue Windkraftanlagen wurden 2019 in Deutschland in Betrieb genommen. Das ist der tiefste Stand seit 20 Jahren, wie aus einer Auswertung der Fachagentur Windenergie hervorgeht. Erschreckend wenn man bedenkt, dass wir mit der Energiewende noch lange nicht am Ziel sind.
Ich persönlich würde lieber neben einem Windkraftrad wohnen, als in der Nähe eines Kohle- oder Kernkraftwerks. Der Schattenwurf würde mich nicht stören: Der Schatten wandert mit der Sonne und für die paar Minuten am Tag kann man Gardinen vor die Fenster ziehen.
Bei der Recherche zu diesem Impuls habe ich auch noch etwas zum Schmunzeln gefunden: Der Spanier David Yanez hat eine Windkraftanlage entwickelt, die ganz ohne Flügel auskommt: Die 2,75 Meter hohe weiße Stange erzeugt Energie, in dem sie sich vom Wind in Schwingung versetzen lässt. Das hört sich nicht nur komisch an, sondern sieht in dem Video auch sehr lustig aus:     :-)

Samstag, 20. Juni 2020:
Leben um zu arbeiten

 

Über Home-Office habe ich ja schon das ein oder andere Mal geschrieben. Vor einigen Jahren war das noch eine absolute Besonderheit, dank Corona gehört es in vielen Berufen mittlerweile in den Bereich des Möglichen. Mein Schwager hat jetzt sogar eine Stelle bekommen, die noch einen Schritt weiter geht: Er darf in seinem neuen Beruf als Programmierer "remote", also von unterwegs aus, arbeiten. Die Idee dahinter ist, dass es keine Rolle spielt wann und wo er arbeitet, Hauptsache er erledigt ein definiertes Arbeitspensum in einem abgesprochenen Zeitraum. Allerdings arbeitet er als Programmierer in einem sehr innovativen Beruf, der zu nahezu 100% am Laptop ausgeführt werden kann. Ein Handwerker, der "remote" oder im Home-Office arbeitet wird es hingegen schwieriger haben...

Einen etwas anderen Weg, der auch für handwerkliche Berufssparten möglich wäre, will Neuseeland gehen: Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Rezession im eigenen Land etwas auszugleichen und den Binnentourismus anzukurbeln, empfiehlt die neuseeländische Regierung allen Firmen nun, eine 4-Tage Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich einzuführen. Die Idee dahinter: Wenn die Menschen 3 Tage am Stück frei haben, reisen sie öfter und haben mehr Zeit, ihr Geld auszugeben.
Was so unfassbar verrückt klingt ist bei der neuseeländischen Rechtsberatungsfirma "Perpetual Guardian" seit zwei Jahren Gang und Gäbe. Allerdings arbeitet man dort auch mehr, als die üblichen 8 Stunden am Tag; irgendwie muss die Wirtschaftsleistung ja erbracht werden.

Konzepte wie diese deuten einen Trend an, den ich persönlich nur begrüßen kann: Weg von den starren Arbeitszeiten hin zu mehr Flexibilität für Beruf und Alltag. Wenn die Geschlechtergerechtigkeit wirklich zum Durchbruch kommen soll, muss es für beide Elternteile möglich werden, bedarfsgerecht und flexibel für ihre Kinder da zu sein. Es muss ja nicht gleich "remote" sein, wie mein Schwager, aber doch zumindest zeitlich flexibler als Gleit- oder Teilzeit. Die deutsche Wirtschaft ist, was revolutionäre Ideen angeht, eher zurückhaltend. Aber immerhin gibt es gute Beispiele, von denen man lernen kann :-)

Freitag, 19. Juni 2020:
Die spinnen doch!

 

Wenn meine Frau eine Spinne sieht, dann gerät sie in den Außnahmezustand: Stühle werden durch die Gegend geschoben, Türen geschlossen und es wird lautstark nach Hilfe gerufen. Dann weiß ich schon, es ist wieder eine Spinne im Haus. Vielen Menschen geht es so wie meiner Frau, auch ich hatte als Kind bis ins Teenager-Alter hinein große Angst vor den meist achtäugigen Ungeheuern auf acht Beinen. Iiihhh!!

In den Ausnahmezustand geriet dieser Tage auch eine Verkehrsanlage auf der A8 bei Ulm. Bei schönstem, klarsten Wetter warnte die dortige Schilderbrücke vor Nebel und setzte die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 60km/h herab.
Der Grund war nicht etwa eine technische Störung, sondern Spinnennetze vor den Sensoren. Die Techniker staunten nicht schlecht als sie das bemerkten.

Angst vor Spinnen ist übrigens keine Frage des Alters oder Geschlechts. Meine Nichte beispielsweise hat mit ihren 3,5 Jahren so gar keine Angst vor Spinnen. Das ist schon ein lustiges Bild, wenn meine Frau und meine Nichte im selben Raum mit einer Spinne sind: Während die 3,5-jährige die Spinne neugierig anschaut, rastete die 26-jährige völlig aus :-)
Kleiner Tipp: Spinnen fängt man am Besten mit einem Glas und einem Stück dickerem Papier. Man stülpt das Glas über die Spinne und schiebt langsam das Stück Papier unter das Glas. So kann man die Spinne ungefährlich und ohne sie töten zu müssen, nach draußen tragen oder aus dem Fenster werfen (Spinnen überleben den Sturz aus unbegrenzter Höhe unbeschadet).

Donnerstag, 18. Juni 2020:
Atomkraft? Nein, danke :-)

 

Das Logo "Atomkraft? Nein danke", auch Anti-Atom(kraft)-Sonne, lachende bzw. rote Sonne genannt, ist das bekannteste Logo der Anti-Atomkraft-Bewegung.
Die Idee hatte die damals die 22-jährige Studentin Anne Lund aus Dänemark im März 1975. Schon bis 1977 wurden allein von den Buttons rund eine Million Exemplare in 16 Ländern verkauft. Das Logo gehört mit zu den bekanntesten Marken weltweit.

Es brauchte fast 45 Jahren und zwei Atomkatastrophen, bis Lunds Botschaft auch in den Köpfen der Deutschen Politiker angekommen ist: Deutschland nimmt nun nach und nach die übrigen Kernkraftwerke vom Netz und baut sie zurück. Aktuell läuft ein Gerichtsverfahren gegen den belgischen Staaten wegen dessen umstrittener Laufzeitverlängerungen seiner alten AKWs und letzten Monat noch wurden die beiden 150 Meter hohen Kühltürme des ehemaligen AKWs Philippsburg in Baden-Württemberg gesprengt. An gleicher Stelle soll ein Umspannwerk für die Gleichstrom-Trasse zu den Offshore-Windparks in Norddeutschland entstehen. Was könnte es für ein besseres Symbol für den kommenden Energiewandel hin zu mehr Ökostrom geben?

Anne Lund war die Greta Thunberg ihrer Zeit. Lange bevor Klimapolitik in aller Munde war, schaffte Lund vor 45 Jahren eine Anti-Atomkraft-Bewegung, die bis heute anhält. Die Verhinderung des Klimawandels ist eine Aufgabe für Generationen und so verwundert es nicht, dass wir auch heute noch lange nicht am Ziel sind. Doch wir haben schon viel erreicht: Der Anteil von erneuerbaren Energien am Stromnetz nimmt steig zu, der Kohle- und Atomausstieg in Deutschland sind beschlossene Sache und der Widerstand gegen Tihange und Doel wächst und wächst, auch in Belgien. Wenn wir uns weiter so für den Umweltschutz einsetzen, schauen wir einer (nicht radioaktiv) strahlenden Zukunft entgegen :-)