Dienstag, 9. Juni 2020:
Es geht auch anders!

 

Das Recht demonstrieren zu gehen ist ein hohes Gut in einer demokratischen Gesellschaft. Es ist essentiell um auf Missstände aufmerksam zu machen und öffentliche Debatten anzustoßen. Aus diesem Grund ist das Demonstrationsrecht auch vom Grundgesetz geschützt, selbst im Höhepunkt der Corona-Krise, als alle Geschäfte noch geschlossen waren, erlaubte das Bundesverfassungsgericht Demonstrationen, unter bestimmten Auflagen.
Letztes Wochenende konnten wir allerdings Demonstrationen beobachten, bei denen diese Auflagen in gefährlichem Maße missachtet worden sind: Über 15.000 Menschen versammelten sich auf dem berliner Alexanderplatz; viel zu viele, um wirklich ausreichend Abstand zueinander halten zu können.
Das Anliegen ist dabei durchaus ein nobles: Es ging um den jüngsten Fall rassistischer Polizeigewalt in den USA. So richtete sich die Demo unter dem Hashtag #BlackLivesMatter gegen ethnische Diskriminierung. Doch wäre eine solche Demo nicht auch möglich gewesen, ohne die Gesundheit von Tausenden zu gefährden? Gerade solche Menschenansammlungen gelten ja als Schmelztiegel für die Ausbreitung von Viren, wie dem Coronavirus.

Dass man auch anders, nämlich kontaktfrei, auf sich aufmerksam machen kann, zeigt eine Aktion der Fridays-for-Future Bewegung. Auch sie wollte ihre Klimademos, trotz des Lockdowns, nicht unterbrechen und haben eine -wie ich finde- gute Lösung gefunden: Neben 24-stündigen Live-Streams über Facebook, Twitter, Instagram und YouTube, an denen rund 20.0000 Zuschauer mit Kommentaren, Beiträgen und Grußbotschaften teilgenommen haben, verteilten einige Freiwillige mehrere tausend Protestplakate auf der Wiese vor dem berliner Reichstagsgebäude. Die selbst gestalteten Plakate wurden zuvor von mehreren hundert jungen Menschen in ganz Deutschland zu Hause gestaltet, von den 70 Ortsgruppen gesammelt und nach Berlin transportiert.

Es zeigt sich, dass wir nicht nur in Sachen Klimapolitik, sondern auch in der Art, wie man in Krisenzeiten sicher demonstrieren kann, einiges von der Fridays-for-Future Bewegung lernen können. Bedenkt man das große mediale Echo, die hohen Teilnehmerzahlen bei den Live-Streams und die vielen Plakate, so scheint mir diese Art des Protestes nicht nur ungefährlicher, sondern auch medienwirksamer zu sein. Und ist das nicht letztlich das Ziel einer Demonstration?
Ich würde mir jedenfalls eine ähnliche Form auch für die #BlackLivesMatter Bewegung sehr wünschen, denn ihr Anliegen ist zu wichtig, als dass es von den negative Schlagzeilen, wegen des hohen Ansteckungsrisikos, überschattet werden sollte!

Montag, 8. Juni 2020:
Mehr Sein als Schein

 

Wie oft hatte ich schon Auseinandersetzungen mit meiner Frau wegen Make-Up. Wie Viele schminkt sich auch meine Frau relativ gerne; zwar nicht immer, aber immer wieder. Unnötige Zeit- und Geldverschwendung sage ich, schließlich sieht sie auch ohne Schminke gut aus. Aber ihr ist das wichtig und sie fühlt sich wohler damit. Letztlich musste ich einsehen, dass Make-up, obwohl es eigentlich das ursprüngliche Erscheinungsbild verdeckt, trotzdem ein wichtiger Bestandteil der eigenen Identität ist: Make-Up soll verdecken, was nicht gezeigt werden will und betonen, was uns wichtig ist. Auch immer mehr Jungs benutzen mittlerweile Make-Up, um Pickel oder ähnliches zu verstecken. Das ist eigentlich auch nur menschlich: Wir zeigen uns gegenüber anderen gerne von unserer besten Seite.

Umso interessanter finde ich jetzt die Meldung, dass der Umsatz mit Make-Up im März um 60% eingebrochen ist, so die neusten Zahlen des Kosmetikverbandes VKE. Trotz der jüngsten Lockerungen will keine richtige Kauflaune aufkommen, so ein Verbandssprecher.

Kosmetik und Make-Up verlieren ihren Sinn, wenn man sich nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit zeigen muss oder das Gesicht durch einen Mund-Nasen-Schutz verdeckt wird. Dafür steigt jetzt aber der Umsatz mit ausgefallenen Gesichtsmasken: Immer schönere, buntere, schrillere, außergewöhnliche Gesichtsmasken betonen das, was uns wichtig ist und werde so zum Teil unserer selbst gewählten Identität.
Bei aller Selbstinszenierung zählen am Ende letztlich doch nur die inneren Werte, denn die behalten ihre Schönheit auch noch bis ins hohe Alter und darüber hinaus :-)

 

Sonntag, 7. Juni 2020:
Wenn ich mal groß bin...

 

Betriebe, die seit vielen Jahren im Familienbesitz sind, haben beim Generationswechsel oft ein Problem: Wer führt den Betrieb fort? Das ist vor allem dann problematisch, wenn die eigenen Kinder andere Vorstellungen von ihrer Zukunft haben und wenig Lust haben den Betrieb ihrer Eltern weiterzuführen.
Gestern habe ich den Witz gelesen, wie ein solches Gespräch wohl im Jahr 2040 ablaufen würde: Abends am Esstisch sagt die Tochter: "Ich würde ja eigentlich lieber Jura studieren." Die Mutter antwortet empört: "Du übernimmst den YouTube-Kanal deines Vaters und damit Basta!"

Bei Kindern und Jugendlichen hat YouTube mittlerweile einen größeren Stellenwert als das Fernsehen. Wenn man Jugendliche in der Schule fragt was sie einmal werden wollen, kommt immer öfter die Aussage "YouTuber" oder "Influencer". Gemeint sind damit Menschen, die auf YouTube so bekannt sind, dass sie mit ihren Videos so viel Geld verdienen, dass sie davon leben können. Dass dies aber nur sehr wenige in ihrem Leben wirklich erreichen werden, spielt dabei erst einmal keine Rolle. Vor einigen Jahren wollten viele Kinder noch *Astronaut* werden, da ist YouTuber immerhin etwas realistischer :-D

YouTube wird zu einer immer bedeutenderen Plattform für uns Menschen, es ist ein Schmelztiegel für Mode und soziale Trends und löst damit immer mehr das Fernsehen ab. Bei aller berechtigten Kritik gegen YouTube und dem Mutterkonzern Google, muss dieser Trend nicht nur schlecht sein: Dem Fernsehen wurde ja auch immer vorgeworfen die Menschen zu verdummen. Bei YouTube kann man sich die Inhalte immerhin selbst aussuchen und das Beste ist, dass man Inhalte auch selbst produzieren und dort veröffentlichen kann. Das fördert die Kreativität und den sozialen Austausch. Nie zuvor war es möglich, sich selbst einer so breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch mein geschätzter Kollege Bernhard Kozikowski hat mittlerweile einige echt gute selbstproduzierte Musikvideos auf seinem Kanal hochgeladen: https://www.youtube.com/channel/UCoMsCDkFAmLghCwLt69C05w
Viel Spaß beim Stöbern und vielleicht sogar auch beim selber Produzieren? :-)

Samstag, 6. Juni 2020:
The day after Corona

 

Nichts hat in den letzten Jahrzehnten unseren Alltag so stark beeinflusst, wie das Corona-Virus. Da bilden meine Frau und ich keine Ausnahme:

  • Der tägliche Weg zur Arbeit ist für uns weggefallen und wir machen an den meisten Tagen der Woche immer noch Home-Office.
  • Wir erledigen unsere Einkäufe nur noch einmal die Woche und nur noch in einem Supermarkt, weil das Einkaufen mit der Maske und den langen Schlangen vor den Kassen so umständlich geworden ist. Auch "mal eben" in einen Laden "springen" ist nicht mehr, weil man ja immer gleich einen Einkaufswagen mitnehmen muss.
  • Wann immer wir spazieren gehen und uns kommt jemand entgegen, gehen wir bewusst auf Abstand. Geburtstage feiern wir nicht mehr groß und an Feiertagen wie Mutter- oder Vatertag sitzen wir nur mit großen Abstand zu unseren Familien zusammen.
  • Und das Schlimmste: Seit Monaten schon haben wir unsere Eltern nicht mehr umarmt, weil sie zur Risikogruppe gehören und wir nicht Schuld sein wollen, wenn sie sich durch uns anstecken.

Auch auf die zukünftige Stadtplanung werden sich die Erfahrungen aus der Krise niederschlagen, davon ist zumindest die Münchener Stadtbaurätin Elisabeth Merk überzeugt. In einem Interview mit FOCUS Online beschreibt sie, wie Innenstädte nach Corona aussehen werden: "Wir müssen genau hinsehen, wo wir Plätze anders nutzen können. Das betrifft aus meiner Sicht akut vor allem zwei Bereiche. Einmal die Gastronomie und den konsumfreien Raum. (...) Viele Aktivitäten verlagern sich wegen der Krise noch mehr in den öffentlichen Raum, wenn die Menschen zum Beispiel ihr Essen oder ihr Feierabendgetränk To-Go bestellen und sich dann mit Freunden im Freien treffen. (...) Das wird in den Städten aber nur gehen, wenn wir Flächen umgestalten und effizienter nutzen. Die grünen Oasen auf einzelnen Parkplätzen wären so ein Beispiel, aber es geht auch um ganz banale Dinge. Wo kann ich zum Beispiel neue Sitzgelegenheiten schaffen, die auch zum Verweilen einladen?"
Elisabeth Merk findet es gut, "dass die Menschen sich so (...) im öffentlichen Raum begegnen (...)" und hebt dabei auch die Wichtigkeit von gut ausgebauten Radwegen ein, damit man schnell von der Stadt aus die umliegende Natur erkunden kann.
Hier geht's zum vollständigen Interview auf FOCUS Online.

Ich finde die Ideen von Frau Merk schön. Sie machen Hoffnung, dass wir als Gesellschaft positiv aus der Krise gehen werden und wir auch insgesamt "grüner" Leben werden. Immerhin geht es jetzt nach und nach bergauf. Am meisten freue ich mich darauf, meine Eltern wieder in die Arme schließen zu können :-)
Was glauben Sie, wie wird ihr Leben nach der Krise aussehen? Machen Sie da weiter, wo Sie Ende Februar unterbrochen worden sind, oder werden Sie manches anders machen? Schreiben Sie mir gerne, wenn Ihnen danach ist!

Freitag, 5. Juni 2020:
Einem geschenkten Gaul...

 

Ach wie schön ist es doch, wenn man etwas geschenkt bekommt: Einmal freut man sich über die Geste, dass jemand an einen gedacht hat und Geld und Zeit aufgewendet hat, um mir eine Freude zu bereiten und natürlich freut man sich über das Geschenk selbst. Naja, meistens jedenfalls... Aber wie heißt es doch so schön? "Einem geschenkten Gaul schaut man nichts in Maul." Die Geste ist was zählt.

Eine solche Geste hat nun auch ein unbekannter Künstler der Stadt Bremen gemacht. Eines Nachts stand eine lebensgroße Bronzestatue eines gebeugten Mannes mit Einkaufswagen im Stadtpark. Niemand weiß von wem die Staue ist und wer sie dorthin gesetzt hat. Normalerweise gibt es für städtische Kunstwerke einen Ausschuss, der darüber entscheidet wo welche Kunstwerke zu Stehen kommen, aber diese werden normalerweise auch teuer in Auftrag gegeben. In diesem Fall war es offensichtlich ein Geschenk und einem geschenkten Gaul... Naja, jedenfalls darf die Statue erst einmal dort stehen bleiben, schließlich "rege sie zum Nachdenken an", so die Stadtverwaltung.

Diese Nachricht erinnerte mich ein wenig an den britischen Künstler Banksy, der für seine sozialkritischen Graffitis bekannt geworden ist, die über Nacht an den verschiedensten Orten überall auf der Welt auftauchen. Ähnlich sozialkritisch ist ja auch diese Statue in Bremen, die meiner Meinung nach auf die Missstände unserer Gesellschaft aufmerksam machen möchte: Ein offenbar Obdachloser Mann schiebt einen leeren Einkaufswagen vor sich her... Irgendwie beschäftigt mich dieses Bild sehr...
Die Stadt Bremen kann sich meiner Meinung nach echt glücklich schätzen mit diesem Geschenk. Es hätte auch schlimmer kommen können: Hat die antike Stadt Troja nicht auch plötzlich eine großes Bildnis geschenkt bekommen? :-)

Donnerstag, 4. Juni 2020:
Lügen haben kleine Hände

 

Ich würde behaupten, dass jeder von uns schon einmal etwas behauptet hat, was eigentlich gar nicht stimmt. Dabei muss das noch nicht einmal eine Lüge gewesen sein: Man kann auch etwas Falsches behaupten und ist gleichzeitig fest davon überzeugt, dass es wahr ist. Das Ergebnis ist zwar letztlich dasselbe, aber der Grund ist ein anderer und das ist entscheidend! Denn wenn mir jemand unbewusst die Unwahrheit sagt fühle ich mich nicht so verletzt, wie wenn mich jemand bewusst anlügt.

Jemand der das Verbreiten von Unwahrheiten zum Beruf gemacht hat und damit unglaublich erfolgreich geworden ist, ist der amerikanische Präsident Donald Trump. Seit vielen Jahren, schon vor seiner Amtszeit verbreitet er täglich Nachrichten auf Twitter. Viele dieser Nachrichten polarisieren und einige widersprechen auch bekannten Fakten.
Letzte Woche hat Twitter dann erstmals eine Falschmeldung des Präsidenten richtig gestellt und einen Beleg dafür angeführt. Es ging dabei um die Möglichkeit der Briefwahl in Kalifornien, die angeblich die Wahlen dort manipulieren würde.
Trotz der offensichtlichen Fakten und der Belege korrigiert Trump seine Falschdarstellung nicht, sondern twitterte wiederum: "Twitter unterdrückt die freie Meinungsäußerung und ich als Präsident werde es nicht zulassen, dass das passiert!"
Die Wähler von Donald Trump nehmen ihm das aber nicht übel, weil sie entweder den Fakten nicht glauben wollen oder davon überzeugt sind, dass Trump es ja nicht so gemeint habe. Stattdessen wird er wegen seines Kriegszuges gegen Twitter gefeiert.

Keiner kann sich davon freisprechen hin und wieder etwas Falsches zu sagen, man kann ja auch nicht immer Recht haben. Ich rede zum Beispiel oft, ohne richtig nachzudenken und daher passiert mir das recht häufig. Aber sobald ich merke, dass ich falsch liege oder mich jemand darauf hinweist, korrigiere ich mich selbstverständlich und nehme die offenkundig falsche Aussage zurück. Fehler einzugestehen ist nicht immer einfach, auch mir fällt das oft nicht leicht. Aber eine offensichtliche Unwahrheit weiterhin als Wahrheit zu verkaufen ist eine Lüge; Punkt aus.
Ein altes Hebräisches Sprichwort aus der Bibel sagt: "Zum Dummkopf passt kein glänzender Spruch und noch viel weniger eine Lüge zum geachteten Menschen." (Buch der Sprüche 17,7)
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wahrhaft schönen Tag! :-)

 

Mittwoch, 3. Juni 2020:
Wenn Kunst das Schweigen bricht

 

"Völlig irrational, unverantwortlich, nutzlos, mit nichts zu rechtfertigen - außer damit, dass wir es mögen." So beschrieb der kürzlich verstorbene Künstler Christo seine Kunst. Zusammen mit seiner französisch-stämmigen Frau Jeanne-Claude wagte der Bulgare überall auf der Welt außergewöhnliche Installationen, die die Menschen gleichsam irritierten und erstaunten.
Und obwohl der Tod eines Menschen nicht unbedingt als gute Nachricht gezählt werden kann, so möchte ich diesen Impuls dennoch zum Anlass nehmen auf die Lebensleistung dieses Künstlers zu Blicken. Denn was Christo hinterlassen hat, hat bei vielen Menschen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und zwar im positivsten Sinne.

Gehe wir zurück in das Jahr 1994: Vor rund 26 Jahren debattierte in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn der Bundestag über ein Großprojekt. Mitten in den Renovierungsarbeiten des Deutschen Reichstagsgebäudes in Berlin boten Christo und seine Frau an, das gesamte Gebäude mit riesigen weißen Stofftüchern zu verhängen. Nach 70 Minuten voller Pros und Contras wurde darüber abgestimmt und mit einer Mehrheit von 69 Stimmen wurde die Verhüllung des Reichstages beschlossen. 25 Jahre schon träumte Christo davon den Reichstag zu verhüllen, knapp ein Jahr später, im Sommer 1995 war es dann endlich soweit: Das ehemalige Regierungsgebäude des Deutschen Kaiserreiches und der gescheiterten Weimarer Republik wurde komplett in weiße Tücher gehüllt. Der Anblick sollte ein Zeichen setzen gegen die "German Angst", die angesichts der dunklen Vergangenheit dieses Gebäudes den Deutschen noch tief in den Knochen saß. Was für ein Schicksal würde das noch jung vereinte Deutschland wohl erwarten, wenn jetzt wieder, nach der Restaurierung, der Deutsche Bundestag dort einziehen würde?
Das Projekt sollte einen Neuanfang ermöglichen und es war ein voller Erfolg: Millionen Menschen strömten dorthin um es zu sehen. Fotos wurden gemacht, ja sogar getanzt und davor geheiratet. Der Schrecken der Vergangenheit war wie weggeblasen.

Es ist schon erstaunlich was Kunst in einem Menschen auslösen kann. Ein Kollege von mir schrieb mir gestern, dass auch er da war und völlig überwältigt war vom Anblick des verhüllten Gebäudes. Die WZ vergleicht die Atmosphäre vor Ort sogar mit der des berühmten Musikfestivals Woodstock 1969.
Leider habe ich die Verhüllung selbst nicht miterleben können, zu dem Zeitpunkt war ist 6 Jahre alt... Aber Christo ging auch an mir nicht spurlos vorbei: Im Jahr 2016 realisierte er auf dem Iseo-See in Norditalien eine Großinstallation aus schwimmenden Stegen. Die "Floating Piers" ermöglichten es einem zu Fuß über den See zu gehen. Ich wäre so gerne da gewesen, aber Prüfungen hielten mich leider davon ab. Einmal wie Jesus über den See laufen, das muss ein beeindruckenden Gefühl gewesen sein!
Im Alter von 84 Jahren ist Christo jetzt gegangen, er hinterlässt viele beeindruckende Werke, Erinnerungen und Gedanken. Danke dafür! :-)

Dienstag, 2. Juni 2020:
Das Leben ist unfair

 

Wenn wir Menschen etwas als unfair erleben, werden wir schnell ungehalten. Unfair behandelt zu werden beutetet, dass jemand anderes mir gegenüber bevorzugt wird. Das zu sehe ist kein gutes Gefühl. Schon Kleinkinder merken das und benennen es oft auch sehr deutlich: "Das ist voll unfair!" Wer kennt diesen Satz nicht?
Und dennoch gibt es das überall: Menschen versuchen das Beste für sich herauszuschlagen und nehmen es in Kauf, dass andere dabei Nachteile haben. Das gibt's im Sport (darum sind Schiedsrichter notwendig), das gibt's bei Geschäften (darum gibt es die Verbraucherzentralen), in Personalabteilungen (darum gibt es Aufsichts- und Betriebsräte) und auch in der weltweiten Wirtschaft. Aber gerade bei letzterem gibt es keine Instanz, die darauf achtet, dass es fair zugeht. Illegale Preisabsprachen und Lohndumping sind in vielen Ländern dieser Welt Gang und Gäbe, auch und vor allem bei Waren, die wir hier in Europa konsumieren; Hauptsache es ist für den Endverbraucher schön billig und es springt noch genug für die Zwischenhändler heraus. Die Bauern vor Ort schauen dabei leider viel zu oft in die Röhre.

Damit es im globalen Handel etwas fairer zugeht, gibt es mittlerweile eine Hand voll Gütesiegel, womit zumindest wir Verbraucher erkennen können, ob die Arbeiter vor Ort unter fairen bedingen arbeiten und bezahlt werden. Das bekannteste dieser Siegel ist das Fairtrade-Logo mit dem winkenden Männchen. Aber auch GEPA und "Eine Welt" (One World) sind sehr bekannt und verbreitet.
Die gute Nachricht: Jetzt zu Corona-Zeit scheinen die Menschen bewusster einzukaufen und darauf zu achten, wo ihre Lebensmittel herkommen, denn seit einigen Monaten ist der Umsatz mit fair gehandelten Produkten um 26% gestiegen. Vor allem bei Bananen, Kaffee und Kakao sind die Menschen sensibler geworden.

Neben Lebensmittel, gibt es auch Zertifikate für fair gehandelte Kleidung, ja sogar ein fair gehandeltes Smartphone gibt es schon seit einigen Jahren: Der niederländische Hersteller Fairphone hat mittlerweile das dritte Smartphone aus recycelten und fair gehandelten Rohstoffen auf den europäischen Markt gebracht.
Es ist schön zu wissen, dass durch unsere bewusste Kaufentscheidung die Menschen in ärmeren Ländern eine Chance haben, gut von ihrer Arbeit leben zu können. Es ist ja auch nur fair, dass wenn wir fair bezahlt werden, das auch den Menschen ermöglichen, die von unserem Geld leben. Das ist zwar nicht immer billig, aber Qualität hat ihren Preis und ein menschenwürdiges Leben ist unbezahlbar. Seitdem ich mich näher damit beschäftigt habe und ausführlich, achte ich jetzt viel bewusster auf die Herkunft meiner Konsumgüter. Noch lange nicht alles, was ich kaufen ist fair produziert, aber immer mehr. Das Leben ist unfair..., aber wir können etwas dagegen tun! :-)